Big Jumps

1985

Es gibt so Leute, die waren, wenn man sich zurück erinnert, irgendwie schon immer da. So ist das zum Beispiel mit N., der ein halbes Jahr älter als ich ist. N. ist dementsprechend das, was ich meinen ältesten Freund nenne und auch wenn wir uns als Kinder wesentlich häufiger gesehen haben, finde ich es schon toll, wenn wir uns zumindest “regelmäßig” an N.s Geburtstag im Dezember bei Feuerzangenbowle sehen.

Irgendwann mal haben meine Eltern gemeint, dass es mit N. als Kind immer stressig war, weil er immer alles auseinander genommen hat. Oder zumindest auseinander nehmen wollte. Spielzeug, Elektrokram, was weiß ich. Vielleicht liegt es gar nicht so unnah, dass er sich mittlerweilen in Darmstadt für Maschinenbau eingeschrieben hat. Ich jedenfalls fand es damals ziemlich famos, dass da alle heilige Zeit jemand kam, der, mal davon abgesehen, dass er ganz neue Ideen hatte, was man mit meinen Spielsachen so anstellen kann (sprich auseinanderbauen), überhaupt ganz anderen Kram im Petto hatte. Später wurde  das Spielzeug dann durch fixe Ideen ersetzt. Ich erinnere mich gut an die Pfingsferien, hm, sagen wir mal Anno 1996, als wir fast N.s Haus abgefackelt hätten, als wir selbst gedrehte Tee(!)zigaretten geraucht haben und diese sinnigerweise in den Sägespänen ausdrückten. Großes Kino, als der Qualm im Keller bemerkt wurde…

Am Wochenende, in einer Spontanaktion, hat’s mich dann mal wieder nach Fischbach, wo mittlerweilen nur noch N.s Mama wohnt, verschlagen. Und es gibt nichts Schöneres als dort Marmorkuchen auf Terrasse zu futtern, alte Storys auszupacken und diese fast schon ekelhaft-bilderbuchartige Vorstadtidylle wirken zu lassen. Im Fischbach hört man noch die Nachbarn Gitarre spielen, man kann im Garten schaukeln (ja, das ist toll!), in der Hängematte liegen, auf dem alten Klavier klimpern und sich neuerdings - das ging Anno 1996 natürlich nicht so - in N.s Cabrio herumkutschieren lassen. So ging’s also den halben Samstag Nachmittag über das Nürnberger Land und später noch nach Fürth auf ein Bierchen. Und irgendwie war der Nachmittag einfach toll, ohne dass eine Quintessenz dabei raus kam. Wozu auch?

I primi giorni d’estate

Ganz langsam schleicht sich trotz durchwachsenem Wetter ein Sommergefühl ein. Die Tage fliegen, ich fühl mich leicht und aufgekratzt, renne grinsend durch die Gegend. Meine Haare sind gekürzt, ich habe um 6 Uhr morgens vor der Arbeit eine ausgezeichnete Playlist erstellt, gehe schick aus oder lass mich zu Kaffee und Kuchen einladen. Ich lese die Zeitung im Bett, schlafe wenig, schreibe viel, renne bei Regen über den Hauptmarkt, klaue Rosen aus dem Garten meiner Eltern, verweigere mich den Trashfilmen im Kino, freue mich über Porzellangeschirr in der Mensa und Nachmittagskäffchen mit den Jungs zwei Türen weiter. Hänge ewig am Telefon, scheiß auf die To-Do-Liste und drehe abends Runden um den Südpark. Arbeite viel und hab Spaß dabei, höre Gianna Nannini, was trashig und nostalgisch und toll ist, schmiede Pläne, in einem Jahr für ein paar Wochen in Italien zu arbeiten, erfreue mich an Knäckebrot mit Nutella oder am wieder funktionierenden Arbeitsnotebook (it’s magic!), am blumigen Geruch im Park, am Gewitter und an so manchen großen und kleinen Dingen mehr. Ja, langsam kommt der Sommer, glaub ich.

du_fragst_michMLs Fast Forward Eintrag beschreibt auf seine Art ziemlich genau das Gefühl dieser Tage, dieser letzten Wochen. Es ist so unglaublich viel passiert, dass ich eigentlich gar nicht weiß, wo ich beginnen oder aufhören könnte. Im Moment habe ich das Gefühl, dass mir so viel offen steht und ich fühle mich sehr frei. Die letzten Tage war ich, abgesehen vom Freitag, an dem ich vor Müdigkeit um 10 gepennt habe, jeden Abend on Tour oder es war irgendwie Programm. Unter der Woche habe ich das Gefühl fast nur noch zum Schlafen daheim zu sein. Ich habe für mich allein seit gefühlten vierzehn Tagen nicht mehr gekocht, dafür aber mit einer ganzen Menge unterschiedlicher Leute etwas unternommen, gequatscht, getrunken, gespielt, gegessen, getanzt und gefeiert. Auch wenn es seltsam, in manchen Augenblicken auch verwirrend und schwierig ist, im Moment auf kein konkretes Ziel hinzuarbeiten, genieße ich diese Zeit des Schwimmens und Treibens. Ich glaube, mir stehen viele Türen offen.

Again and Again. Oder: Der Abschluss der Reihe “Über das Bloggen”

Ich glaube, mit der großen Schreibtherapie, die ich begonnen und erstaunlich gut durchziehe (abseits vom Publikum offline zu schreiben), kommt auch wieder die Lust am Bloggen. Es ist Samstag, ich bin viel zu früh aufgewacht und liege nun seit gut zwei Stunden im Bett, mit Laptop, Käffchen deluxe und einem Kopf voll Kram.

Ich war schon immer jemand, der sich mitteilen musste. Gedanken, Probleme, Ideen ordne ich am besten über Gespräche oder eben über das Schreiben. Ich bin heute über einen alten Blogeintrag gestolpert und habe - mal wieder - über den Sinn und Zweck des öffentlichen Schreibens sinniert. Und während ich also so überlegte und mit den zweiten Kaffee machte, kam mir, dass ich das alles eigentlich viel zu verbissen sehe. Und viel zu heiß koche. Ich hatte immer Spaß am Schreiben und merke auch, wie gut es mir tut abseits vom Netz Gedanken aufzuschreiben. Aber ein Blog ist halt kein Tagebuch, ein Blog ist ein Hobby. Mein Hobby. Infoern: Wo ist das Problem, wenn es nicht immer wahnsinnig tiefgründig hier zugeht oder Sachen, die mich wirklich beschäftigen anderswo ausgetragen werden? Woher kommt eigentlich dieses Bedürfnis alles - was auch immer das dann sein mag - online durchzukauen?* Ich rede ja auch nicht mit jedem über meine Probleme. Und mal so nebenbei, auch wenn ich selbst so wahrscheinlich nicht schreiben könnte: Der Grad der Authentizität ist in so einem Blog frei. Keinem Autor würde man vorwerfen, dass er fiktional schreibt. Ehrlich, da les ich lieber ein paar Zeilen ausgedachten Scheiß, als den hundertsten Post über “heute in der Uni…” zu lesen. Insofern, es muss nicht zwangsweise unheimlich tief gehen, es muss eigentlich gar nichts.

Denn, auf der anderen Seite, ist ja auch nichts Falsches daran, wenn man schreibt, was einen beschäftigt? Kleine Storys, Ideen, Gedanken aus dem Alltag. Ich behaupte, nach nochmaligem Nachdenken, dass das geht, ohne sich “angreifbar” zu machen. Ja, ich habe ein Privatleben. Ich habe Freunde, ich gehe feiern und ich trinke mal ein Glas Wein; gern auch mal eins zu viel. Unglaublich, aber wahr: Ich habe Gefühle und mir geht eine ganze Menge den ganzen Tag so durch den Schädel und ich habe die ganz ganz leise Ahnung, dass ich damit keine Besonderheit darstelle. Also, was soll der Scheiß, oh Hilfe, wenn irgendwer “falsches” meine Beiträge liest?

Ich freue mich, wenn meine Leser unterhalten werden. Ich freue mich über Feedback oder Minidiskussionen. Ich freue mich, weil ich schon finde, dass die Qualität meiner Beiträge im Laufe der Jahre besser geworden ist (alles andere wäre auch ein Armutszeugnis). Eigentlich versuche ich gerade die “heute in der Uni”-Posts zu vermeiden (ok, mittlerweile eher “heute in der Arbeit” - für die Klugscheißer unter euch). Aber das hier ist keine Plattform, wo ich mein Leben breit trete, Konflikte austrage, mein Seelenleben der Öffentlichkeit zur Schau stelle. Wer das hier liest, wird sich ein Bild machen. Aber es ist ein kleines Fragment, das kein vollständiges Bild von mir oder meinem Leben abgibt. Also, warum eigentlich dieser künstliche Konflikt?

* Ich könnte jetzt böse ausschweifen mit einem Exkurs in das Bedürfnis der Außendarstellung in der Gesellschaft, aber das ist jetzt nicht Ziel und Inhalt des Posts.