Ich wünschte, ich hätte Worte für meinen momentanen Zustand. Es ist so ein seltsames Schwimmen, ich kann es nicht fassen und das macht mich irgendwie verrückt. Ich habe das Gefühl, dass so viel gesagt werden müsste, dass es so viel zu Bloggen gäbe. Nicht nur zu mir selbst und meinem eigenen Kram; auch etwas Großes, das über den persönlichen Tellerrand geht. Aber ich sitze vor dem Rechner, kaue Kaubonbons, bis ich alle mit Erdbeergeschmack gefunden und gegessen habe, versuche zu Schreiben, lösche Sätze, Wörter, Buchstaben und wünschte, ich hätte Worte für meinen momentanen Zustand.
Es ist nicht, dass viel passieren würde. Ich stolper so durch den Tag und durch den Schnee, mal happy, mal konfus, mal genervt, mal euphorisch (wie das halt so ist). Ich gehe Kickern und schwimmen, liege Pasta aus Riesenmüslischüsseln essend auf meinem Sofa und schaue irgendwelche Serien auf intellektuell niedrigem Niveau (wie das halt so ist). Ich habe Sushi für mich entdeckt und überlege ein Fahrrad zu kaufen. Ich spüre das leise Aufbegehren von Frühlingsgefühlen – oder zumindest dem Gefühl, dass da unter dem Schnee, den Decken, hinter den Türen und der Heizungsluft etwas Frisches ist, das wartet auszubrechen. Ich lese feministische Blogs, pendel zwischen ein bisschen Feierei, Telefon, Seminaren und was halt so dazu gehört. Würde mich jemand fragen, ob ich glücklich bin und ob es voran geht, müsste ich wahrscheinlich überlegen, aber eigentlich ist das Quatsch. Es geht was. Und es geht gut.
Das neue Jahrzehnt hat mir bisher eines gebracht: Einen neuen Rhythmus. Nicht emotional-spirituell-whatever. Ich leide unter Schlaflosigkeit. Es ist weit nach Mitternacht, ich hatte das Licht schon gelöscht. Ich drehe mich, von links nach rechts, das Kissen, meine Wenigkeit selbst von der Seite auf den Bauch. Alles für den Arsch. Ich liege da und denke und will einfach nicht müde werden. Noch einen Schluck trinken, doch nochmal aufs Klo. Hilft alles nichts. Also mache ich doch wieder das Licht an, fahre den Rechner hoch. Dann schlafe ich eben wieder bis 14 Uhr, die nächste Woche darf ich den Tag noch zur Nacht machen und die Nacht zum Tag.
Die Nuller-Jahre sind abgehakt. Ein neues Jahrzehnt beginnt und ich finde die Vorstellung eines Neuanfangs schön – und sei er nur mental.
Ein letzter Post in diesem lehrreichen Jahr. Ich habe Bilanz gezogen und sehe ein bisschen skeptisch, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, den letzten zwölf Monaten nach. Lessons to be learned – so fasse ich 2009 für mich zusammen. Es war nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht supergut, aber wann ist es das schon?
Ich frage mich, wann es wohl ein gutes Jahr ist und wann wir zufrieden zurück blicken können: auf unsere Entscheidungen, unsere Leistung, wie wir die Zeit verbracht haben. Denn wirklich zufrieden ist man letztendlich doch trotzdem nie wirklich. So ist wohl der Mensch, aber ich denke, dass es das ist, was uns vorantreibt: Der Wille, die Hoffnung, dass es besser wird. Also, nehmen wir unser Glück in die Hand.
Der Dezember, das Jahr neigt sich dem Ende. Ich habe Weihnachten heuer etwas getrotzt, nachdem sich meine Eltern inkl. meiner Schwester dazu entschlossen haben, sich über die Feiertage südlich abzusetzen und bei meinen Großeltern in Italien zu feiern. Da ich weder Bock hatte, länger als 48 Stunden ziemlich unausweichlich mit meinen Eltern zu verbringen (nur als Anmerkung: Wir haben ein durchaus gutes Verhältnis, aber man muss auch die besten Verhältnisse nicht überstrapazieren), noch in den Genuss eines Hauses mit nur einem einzig vernünftig beheizbaren Raum zu kommen (was bei alten italienischen Häusern nicht unüblich ist), habe ich mich also dazu entschlossen hier zu bleiben und meine Leutz mal schön alleine fahren zu lassen. Toll fand ich das alles natürlich trotzdem nicht, aber auf diese Weise konnte ich mir zumindest die Ignoranz erlauben, bis 24. Dezember kein einziges Geschenk besorgt haben zu müssen.
Weihnachten wurde dann doch cooler, als angenommen. Ich ging ja schon von latent bis mittelschweren depressiven Verstimmungen aus. So ohne Eltern zu feiern, ist halt doch nicht das selbe. Aber dann kam alles doch irgendwie anders: Ich habe mich wirklich sehr über ein paar Grüße via Post und Mail gefreut; eine kleine Handvoll lieber Leute, die an mich gedacht hatten. Außerdem war es bei meinem Onkel und seiner Familie, wo ich schließlich zum Essen war, durchaus lustig. Gegen 9 bin ich dann trotzdem ab. T, mein Lieblings-Türke und Muslim, der auf Weihnachten einen feuchten Furz gibt, und A aus dem fernen Morgenland Osten kamen schließlich noch vorbei und ich glaube, der Abend in dieser Form war für mich das größte Weihnachtsgeschenk (neben der Eieruhr in Marienkäferform, lila!).
Und jetzt? Ich habe frei bis 6. Januar und werde die Rest-Woche von zu Hause aus arbeiten, was ich mehr als angenehm finde. Ich habe mir diverse Listen angelegt mit Sachen, die ich machen, Leute die ich sehen, und Dingen, die ich besorgen möchte. Bisher kam davon noch nicht viel zum Einsatz und ich verbringe meine freie Zeit vor allem auf meinem Sofa, allein, irgendwelche Serien schauend, telefonierend oder lesend. Ich habe dabei wirklich das Gefühl mal wieder richtig Kraft zu tanken.