Früh ab von Arbeit. Kurz nach Vier daheim. Bikini, Handtuch, Zeitung gepackt und ins Freibad. Das erste Mal in diesem Jahr.
Freibad. Das Gefühl, wenn du es betrittst wird sich wahrscheinlich immer anfühlen wie damals mit 15. Wahrscheinlich, weil es – egal wo, egal wann über die Jahre hinweg – eigentlich immer das Selbe war. Pummelige Kinder, schimpfende Muttis, köpfende Macker, sonnenanbetende alte Säcke. Dicke Bademeister wachen über das Nicht-Einspringen vom Beckenrand. Der Geruch nach Pommes und Kokosöl und Chlor, manchmal ein bisschen nach Gras.
Und dann ist Sommer. Die Tage sind jetzt die längsten des Jahres und sie fühlen sich besonders an, obwohl eigentlich gerade gar nichts Besonderes passiert. Ich schwimme mir den Kopf frei, döse, bis die Sonne aus meinem Sichtfeld verschwindet. Auf dem Nachhauseweg lasse ich meine Haare beim Radfahren vom Fahrtwind fönen. Bis ich die Haustüre aufsperre sind sie trocken und das frisch-geduscht-Gefühl schon wieder passé. Egal. Das ist Sommer. Und es ist besonders.
ein beschissenes rad im getriebe
Im Spanischen gibt es den Ausdruck “rico” – also zu deutsch “reich”. Reich können im Spanischen nicht nur Menschen, gutes Essen oder Landschaften sein, sondern auch gute, volle, erlebnisreiche Tage; wie die letzten, die ich hatte. Doch, sie waren reich.
Ein Wochenende in Berlin und zwei Tage Jena; ziemlich unchronologisch: Mitfahrgelegenheit mit interessanten, schrägen, befremdlichen Leuten (wie Ferdinand aus Kamerun, 16jährigen Bildungsaktivistinnen, lesbischen Mädels), Walpurgisnacht im Mauerpark und eine Reichstag-Exklusivführung vom dort arbeitenden M. Der 1. Mai in Kreuzberg und dann 02oder04 live auf wahrscheinlich Berlins kleinster Bühne. Döner mit M, Pizza mit A, Telefonate in die Heimat. Lecker Wein in Jena. Und lecker Frühstück. Berge besteigen, Stufen nicht zählen, Aussicht genießen, Glück mit dem Wetter haben und auf meinem Weg nach Hause mal wieder lange im Zug durch die verregnete Landschaft fahren.
Wieder zu Hause der übliche Wahnsinn: Scheiß Laune, Misanthropie in öffentlichen Verkehrmitteln. Gute Laune, viel zu Quatschen. Müde und zu wenig Schlaf. Ein bisschen kein Bock, ein bisschen zu viel Regen für Mai. Yann Tiersen live in Nürnberg. Ich begrüße den kleinen Jakob im Leben und freue mich über glückliche, entspannte, frisch gebackene Eltern in meinem Freundeskreis.
Jetzt endlich Freitag. Zwei Heimkehrer sind das Wochenende wieder in Franken und werden mir einen Besuch abstatten (oder umgekehrt). Heute Abend werde ich mir ein Date mit Woody Allen gönnen (Scoop oder den Stadtneurotiker… hmmm); im frisch bezogenen Bett. Und deshalb: Off. Sonst komm ich zu spät!
… vier Jahre bis zur Dreißig.
Mitte 20.
Ende 20.
Wer weiß das schon.
Kurzum: Ich bin jetzt 26.
“Ach, was bist du noch jung!”
“Ohh, jetzt wirst du aber alt.”
Soweit die Kommentare der Anderen dazu.
Wie ihr schon merkt: Die Art und Weise, wie in meinem Umfeld auf mein voranschreitendes Alter reagiert, ist mittlerweile recht unterschiedlich und auch ich habe mich noch nicht wirklich entschieden, welche der Aussagen mir nun am besten schmeckt. Mit dem Erreichen gewisser Altersgrenzen werden, zumindest bei manchen Leuten, diverse “Anforderungen” hoch gehalten. Das finde ich etwas nervig: Was ich angeblich langsam alles sollte oder angeblich bald werde (Kinder kriegen und Kockrezepte kategorisieren), halte ich nämlich für sehr viel weniger wahrscheinlich, als manch eine_r in meinem Umfeld glaubt. Zumindest für meine Lebensplanung.
Nach einigem Hin und Her, habe ich beschlossen, dass es ein gutes Jahr werden wird. Ich war jetzt lange genug 25! 2 x 3zehn – das sollte für ein Qualitätsjahr sprechen.
PS: Da im Moment nicht viel von mir zu lesen ist (und ich eine geschlagene Woche brauche, um endlich den Geburtstagspost zu veröffentlichen), soll an dieser Stelle nur erwähnt sein, dass mich das Leben da draußen derzeit fest im Griff hat. Meine Zeit ist knackevoll gepackt mit den ersten Einladungen zum Grillen, neuen Ideen und Projekten, Backsessions mit meiner Schwester, Labern mit den Mädels, bis morgens die Vögel zu hören sind, Gammeln auf meinem neuen Sofa, E’s Auto fahren und mit ihm in die Fränkische düsen, diverse Thermen ausprobieren und und und… Wie ihr seht: Ich lass’ es mir – zumindest meistens – recht gut gehen.
Südstadtluft. Es wird mild, also gehe ich abends eine Runde. Ich gehe, um des Gehens Willen. Gegen den Stillstand.