Scheisstag!

Es gibt Tage, an denen irgendwie nicht so wirklich rollt, die regelrecht zu stocken scheinen, weil einem ständig Steine in den Weg gelegt werden. Beispielsweise weil jeder blöde Zug, den ich heute erwischen wollte, heute ausgefallen ist, weil gestreikt wird. Nur bis 11 Uhr, so offiziell, aber nachmittags um 4 stand ich dann auch eine Dreiviertelstunde doof rum. Auch wenn der Zug laut Homepage regulär gefahren wäre und man deshalb zum Bahnhof gejoggt ist.

Toll ist auch, wenn man sich morgens dann dementsprechend abhetzt um ins Seminar zu kommen, es aber erst nächste Woche los geht. Schön, dass dies anhand eines Zettels an der Raumtür und nicht im Vorlesungsverzeichnis angegeben wurde. Und wieder einmal stockt der Tag und ich häng 3(!) Stunden mehr oder minder sinnlos rum.

Ein weiteres Schmankerl war heute meine geschäftstüchtige Zahnärztin, die aber zumindest kein Loch gefunden hat. Aber ich hab Ablagerungen, noch vom Rauchen und freilich auch vom Kaffee, die weg sollten. Für 130€. Naja, und im Januar dann die Zahnreinigung für ein klein bisschen weniger. Schon klar.

Nett, ja geradezu die Kirsche auf meinem Sahneberg, war heute aber die blöde Mutti, die ihren tollen Sohn in meinen Deutschkurs geschickt hat. Da ich weiß, dass es zu den Kursen immer viele Fragen gibt hab ich zusätzlich zur Anmeldung an alle ein Infoblatt ausgeteilt. Das wird aber konsequent von besagter Person ignoriert, damit ich mich mit Madame treffen kann, ihr alles noch mal haarklein persönlich erkläre. Natürlich ist ihr alles zu teuer und auch sonst hat sie eine ganze Menge auszusetzen gehabt nachdem ich ihren Sohn nach Fristende in meinen Unterricht aufgenommen habe (”Ach, kein Einzelunterricht… hmmm.”, “Bis zu 15 Kinder? Kommen Sie mit denen überhaupt klar?”, “Was, beide Kurse kosten so viel?”, “Mein Sohn kann an dem Termin aber nicht! Das wäre aber schon wichtig, dass er da kommen kann”, …). Dann durfte ich noch feststellen, dass die Alte das Infoblatt wohl zum Arschabwischen benutzt hat. Erst dachte ich nämlich, dass jemand, der so viele unsinnige Fragen stellt meine Anmeldung gar nicht gelesen haben kann, aber es lag wohl einfach nur daheim und wurde konsequent nicht beachtet (”Ach, das Blatt hab ich schon daheim, das brauchen Sie mir nicht mitgeben!”). Naja, auf jeden Fall stand auf diesem glorreichen Fetzen Papier, dass bis zum Halbjahr 10 Stunden gehalten werden. Einige Termine muss ich ausfallen lassen, weil entweder ich oder ein Teil der Schüler selbst nicht kommen kann. Auch dazu hab ich ein weiteres Blatt ausgeteilt. Mit allen Terminen. Ja, genau, 10 an der Zahl. Naaaa, der ruft wohl heute angesäuert an, warum der Deutschkurs morgen nicht stattfindet??? Ich wurde dann ein bisschen ruppig und habe der Dame erklärt, dass das nun einmal die Konditionen meines Kurses sind, die ich den Schülern auf Infoblättern (damit’s auch alle checken und Muttern auch Bescheid weiß - so die Theorie) mehrmals mitgeteilt habe. Wenn ich ein Auto kaufe schau ich mir doch auch an was ich bestelle zu welchem Preis und wundere mich dann nicht, warum ich keine Klimaanlage habe, oder? Naja, die gute Frau denkt sich wahrscheinlich, dass ich ein böser geldgeiler Mensch bin, der, nachdem ich die Kursgebühr eingestrichen habe, nun keinen Unterricht gebe. Aber jaja, ich weiß schon, mea maxima culpa.

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Heute fängt die Schule an!

Naja, nicht wirklich, aber zumindest beginnen meine Qualikurse für das kommende Halbjahr. Heute geht’s mit Mathe los. Wer mal gucken will ob er den Anforderungen der 9. Klasse gewachsen ist kann gerne mal meinen pädagogisch wertvollen Mathe-Grundwissentest machen ;) Ich freue mich wirklich, dass es eine so große Resonanz gibt, da die Kurse ja nicht mehr aus den sozialen Geldtöpfen finanziert werden können (man könnte ja mal zur Abwechslung das Geld dort investieren, wo es sinnvoll wäre und immerzu fehlt, nämlich in die Bildung). Im Klartext bedeutet das aber, dass die Eltern dafür aufkommen “müssen” (was sich natürlich nicht alle so einfach leisten können), wollen sie ihren Kindern eine Unterstützung für die Vorbereitung auf den Abschluss geben.

Der Schule gelingt diese Aufgabe anscheinend nicht besonders gut, es war keine Seltenheit, dass ich kurz vor dem Quali mit Schülern rede, die einzig und allein in den Vorbereitungskursen – egal ob nun in der Kulturbrücke oder in den Ferienkursen über die Stadt – mal eine Qualiaufgabe geübt haben. Ich hatte Schüler, die mir erzählt haben, dass sie in den gerade mal fünf Wochen Intensivkurs in den Schulferien mehr gelernt und aufgeholt hätten als in der regulären Schule. Dass da irgendwas falsch läuft liegt auf der Hand. Und wenn ich dann diese gelangweilten Lehramtsstudenten in den Seminaren sehe, die sich über den einen Sitzsschein Pädagogik beschweren, die Lehrer werden wollen, weil sie in Englisch oder Deutsch oder was weiß ich so gut in der Schule waren aber eben mit einem Magister in Anglistik nichts anzufangen wissen, die ernsthaft behaupten, dass die ganze Pädagogik und Psychologie ihnen am Arsch vorbei geht, dann kriegt ich einfach nur das kotzen. Ich will nicht verallgemeinern, aber bis jetzt war die Mehrheit der Lehrämtler, die ich bis jetzt getroffen habe von diesem Typus, der “jetzt schon Horror vor den Kindern hat” (nein, das ist nicht erfunden und das Mädel war damals im 1. Semester!) und sich scheinbar nur auf die sechs Wochen Sommerferien freut. Ich finde das echt traurig, weil das genau die Lehrer werden, wie ich so viele davon hatte. Die keinen Bock auf gar nichts mehr hatten und nur noch ihren Scheiß das 1000ste Mal vorgekaut haben. Ich kann doch kein Lehrer werden wollen, weil ich Mathe so toll finde! Ist doch klar, dass mich das frustrieren wird, weil ich mich im Studium durch die abstrakteste Mathematik gewurschtelt hab und dann das höchste der Gefühle sein wird großteils gelangweilten 17jährigen ein bisschen Würfel-und-Urnen-Stochastik beizubringen. Ist klar, dass viele überfordert sein werden, weil sie keinen Plan von Didaktik haben und total überfordert sind, wenn mal ein Kind ankommt, das Bulimie hat, sich ritzt oder einfach nur aus dem Ausland kommt und sein Kopftuch aufbehalten möchte. Darauf wird kaum ein (Gymnasial-)Lehrer anständig vorbereitet und dass der Frust dann – vor allem noch bei so einer Einstellung zu Jugendlichen und zum Unterrichten – vorprogrammiert ist, wundert mich kaum. Letztendlich sind die Leidtragenden aber die Schüler und wenn ich mir in den Qualikursen, um wieder zum Thema zu kommen, anschaue wie viele Leute mit so viel Potential auf der Hauptschule vor sich hin gammeln und nicht gefördert werden und auf der anderen Seite Schüler nicht mal anständig lesen und schreiben können, dann hoffe ich wirklich, dass sich auf bildungspolitischer Ebene endlich mal was tut.

© Foto: Dave Gilbert

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Aless, wo soll das enden?

Hab ich mich gestern gefragt, nachdem ich meine Magisterarbeit mal wieder in Word geöffnet habe. So nach einem Monat. Es klingt alles wie große Scheisse und Bock hab ich erst recht keinen. Wo ist die Euphorie hin und das Gefühl etwas sinnvolles zu produzieren?

Wie gut, dass ich noch nicht angemeldet bin!

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Home Sweet Home

Wieder im Lande, und es fühlt sich alles ein bisschen seltsam an. Aber auch gut. Ich muss gestehen nach drei Wochen fehlt mir der deutsche Stock im Arsch, das Geregelte und Geordnete, was aber vielleicht auch an den kleinen großen Problemchen, die wir im Urlaub hatten, lag. Ich fasse aus Gründen des ewigen Wiederkäuens mal in aller Kürze zusammen, dass wir drei verschiedene Mietwagen hatten, da sie entweder kaputt waren bzw. sie von rasanten Sarden kaputt gefahren wurden, die uns dann nur ihre Handynummer geben (ja, ich war auch doof…) und ihr Handy dann ausschalten. Es folgen Nachmittage bei den Bullen, die über das Kennzeichen die Adresse des Typs ausfindig machen, ein Besuch bei den Eltern des rasanten jungen Mann und schließlich und letztendlich doch die gewünschten Unterschrift. Dazu dann Stress mit der Autovermietung, meine Nerven im Keller, viel viel Zeit, die einem keiner ersetzt, die für den Arsch war, aber gut, wir hatten dann ja noch zwei Wochen ohne Karre und zum erholen, was wir dann ja auch bestmöglich getan haben ;)

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der vorerst letzte Eintrag

Morgen um die Zeit werde ich für die nächsten drei Wochen dort sein, wo es laut Wetterbericht ungefähr doppelt so warm ist wie hier. Ich freu mich unglaublich auf Sonne, meine Großeltern und das Meer. Ich freu mich auf kein Telefon, keine SMS, kein Internet, nur eine italienische Handynummer, die so gut wie niemand kennt - und das ist auch gut so. Eine Woche Mietauto, ein paar hoffentlich sehenswerte Trips, ansonsten einfach nur daliegen. Mit dem Kopf in den Wolken, die letzten warmen Sonnenstrahlen genießend. Durchatmen, vor der letzten großen Etappe, die eigentlich schon viel weiter hätte kommen sollen. Egal. Jetzt bloß kein…

Well, the clock says its time to close now
I guess I’d better go now
I’d really like to stay here all night
The cars crawl past all stuffed with eyes
Street lights share their hollow glow
Your brain seems bruised with numb surprise
Still one place to go
Still one place to go

Let me sleep all night in your soul kitchen
Warm my mind near your gentle stove
Turn me out and I’ll wander baby
Stumblin in the neon groves

Well, your fingers weave quick minarets
Speak in secret alphabets
I light another cigarette
Learn to forget, learn to forget
Learn to forget, learn to forget

Let me sleep all night in your soul kitchen
Warm my mind near your gentle stove
Turn me out and I’ll wander baby
Stumblin in the neon groves

Well the clock says it’s time to close now
I know I have to go now
I really want to stay here
All night, all night, all night

The Doors - Soul Kitchen

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Seltsame Träume

Die letzte Nacht war furchtbar und zwar seit ziemlich exakt 2.28 Uhr, als ich aufgewacht bin, weil ich dachte meine Waschmaschine ist ausgelaufen bzw. tropft irgendwo. Obwohl ich in der Zwischenzeit sogar, von der Paranoia getrieben (und weil es da ja auch gewisse Zwischenfälle gab), einen Besuch im Bad abgestattet hab und mit scharfem Auge den Boden inspiziert habe fand ich die Nacht keine wirkliche Ruhe mehr und hab mir im Halbschlaf den Kopf zerbrochen. Furchtbar, solche Nächte!

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@work

Ich muss gestehen, es ist gar nicht so leicht jeden Tag um 7.30 Uhr aus dem Bett zu kommen. Als Student befindet man sich ja, zumindest was den Beginn der Seminare betrifft, in einer Art Schonraum. Aber mal davon abgesehen läuft mein Kurs tiptop, ich habe keinerlei Grund zu klagen: Ich habe wirklich einen Haufen sehr netter Leute erwischt, die Lust haben was in meinem Kurs zu lernen und die auch motiviert sind. Der Wissensstand ist zwar nicht herausragend, aber ich habe schon in weitaus tiefere Abgründe geblickt. Trotz allem finde ich gewisse Defizite immer noch außergewöhnlich; vor allem in Deutsch. Da wird Welt mit d am Ende geschrieben. Und Forum so: Vohrum. Ganz zu schweigen von erödert (erörtert). Hmmm… da fällt einem nicht viel dazu ein.

Ansonsten hat sich mein eigentlich auf 22 Mann geschätzter Kurs auf 12 (+ 2, die nur in der 2. Woche teilnehmen) dezimiert, was aber insofern gut ist, dass ich nachmittags nicht reinschieben muss und so Zeit hab mich noch mal vorzubereiten, Jürgens Küche trocken zu kriegen, weil er kleines Malheur mit dem Wasseranschluss hatte oder eben zwei Zeilen zu bloggen :D

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Arbeit, nix als Arbeit!

:music: Arctic Monkeys - Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

Ja, ich weiß, es war ganz schön ruhig um mich in letzter Zeit, hier auf meiner Seite. Der Grund waren zunächst einmal eine ganze Menge Feiereien und jetzt eine ganze Menge Arbeit, und das nicht mal für die MA. Morgen fangen meine Sommerkurse an und ich muss gestehen, dass der Aufwand verdammt groß ist. Ich bin seit einer Woche praktisch nur am Arbeitsblätter erstellen (die reißerische Titel wie Wie schreibe ich Briefe oder Übungen zu den s-Lauten haben) und Stunden durchplanen (Mathestunde 1), was relativ schwer ist, wenn man nicht einschätzen kann wie viel die Kids noch drauf haben in puncto Bruchrechnen, Groß- und Kleinschreibung oder Prozentrechnen. Macht man zu leichte Aufgaben langweilen sie sich, sind sie zu schwer ist auch niemandem geholfen. Naja, ich hoffe ich habe einen Mittelweg gefunden. Ein bisschen aufgeregt bin ich natürlich auch, was das für Schülerlein werden, die mehr oder minder freiwillig zwei Wochen ihrer Sommerferien opfern. Außerdem wissen sie ja auch noch gar nicht von ihrem Glück, dass sie eine Woche normal vormittags, aber auch eine nachmittags rein müssen, weil ich doppelt so viele Anmeldungen erhalten habe wie geplant (nämlich immerhin 22!) und deshalb zwei Gruppen parallel laufen lasse. Für mich werden das dann gut und gerne auch schnell 10-Stunden-Tage inkl. Nach- und Vorbereitung, aber zumindest stimmt ja die Kohle ;)

Ansonsten freue ich mich, dass meine Questionbox wieder funktioniert! War nur ein kleiner blöder chmod-Fehler, aber ich bin ja mittlerweilen so faul geworden, was das Coden und so angeht, dass ich selbst mit den kleinsten Fehlermeldungen überfordert bin :weird:

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N’s Geschichte

Nachdem euch ja anscheinend R’s Geschichte so gut gefallen hat gibt’s heute einen kurzen Ausschnitt aus N’s wirklich ausführlichem Interview. Auch ihre Geschichte hat mich wahnsinnig berührt, ich fühle richtig mit ihr.

N. ist 17, auch sie ist aus dem Irak. N. gehört einer Minderheitenreligion, den Mandäern an, die im Irak verfolgt, gedemütigt, diskriminiert werden an. N. hat mir nach dem Interview von Morden innerhalb der Familie erzählt, von Hänseleien und Beschimpfungen in der Schule oder von Nachbarn. Auf die Frage nach ihren Zukunftswünschen war sie bisher auch die einzige, die ihren Wunsch nicht auf sich selbst bezogen hat:

N: Ja, dass es im Irak halt nicht mehr Krieg gibt. Dass es wirklich e-, zu Ende geht, kein… Und ja, hier auch… Ja, das Wunsch, das ist das einzigste Wunsch eigentlich. Ja, wirklich. Dass die, dass die wirklich die Leute alle zufrieden leben und nicht, also nicht nur im Irak, im allgemeinen. Das, das wünsch ich mir echt. Das ist mein größter Wunsch. (den Tränen nah?!)

A: Würdest du gern zurück gehen?

N: Ich.. ich bin ehrlich, eigentlich nicht, aber.. Ich will ja hier leben. Also, hier in Deutschland oder.. ja, ich, ich will da bleiben, also nicht mehr zurück gehen. (sehr leise) (5 Sek. Pause)

A: Aber es tut trotzdem weh, wenn man dran zurück denkt…

N: Ja, das tut’s! Ja, genau, das tut’s weh (laut), weil ich find’s schade, dass man nicht in seine Heimat jetzt gehen darf und des ist einfach.. weil man so viele Schwierigkeiten hat dort und.. Krieg und alles und.. des is, es gibt so viele Probleme dort. Die haben nicht einmal Strom, Wasser und das tut, das tut mir echt so leid und man kann ja auch nicht dafür! Man kann denen auch nicht helfen! Also die U-, die Größten, die Größten können ja auch nichts machen, aber das ist, das ist echt schade und wie die Kinder jetzt umbringen und.. des is echt… unfair. Weil die können ja auch nichts machen und des läuft, ich weiß nicht wie lang des läuft.. Des hatte ja, glaub ich, keine Ende! Des hat zwar angefangen, aber keine Ende… (leiser werdend) (9 Sek. Pause) Des is echt schade dort (leise) (4 Sek. Pause)

In Deutschland hat N. mit ihrer Familie seit sieben Jahren Asyl gefunden, im Moment werden sie geduldet, das heißt jedes Jahr muss die Familie bangen abgeschoben zu werden, was sie natürlich unheimlich belastet. Theoretisch jedoch bedeutet der Duldungsstatus jedoch, dass die Familie theoretisch auch innerhalb eines Monats abgeschoben werden kann. Wenn man geduldet wird, bekommt man i.d.R. nur auf Antrag die Möglichkeit zu arbeiten. Für N.’s Vater ist dies überhaupt erst seit kurzem möglich. Es ist klar, dass die Folgen finanzielle Engpässe sind, wovon beispielsweise Integrations- oder Deutschkurse nicht mehr aus eigener Tasche bezahlt werden können (diese stehen geduldeten Personen nämlich nicht kostenlos zur Verfügung). Und hier schließt sich der Teufelskreis: N.’s Eltern können praktisch kein Deutsch, weshalb N. bei sämtlichen Amtsgänge, Arztbesuche, etc. anwesend sein muss, um zu übersetzen. Anderseits ist es neben der Tatsache, dass der Arbeitnehmer binnen eines Monats abgeschoben werden kann doppelt schwer einen Job zu finden, bei dem keinerlei Deutschkenntnisse von Nöten sind.

A: Wie ist das dann bei deinen Eltern, wenn du sagst sie können nicht so gut Deutsch, wie kommen sie hier klar, auch mit der Arbeit und so.

N: Ja, also meine Mama kann ja nicht so gut… *stottern* Also sie kann schon nicht so gut Deutsch, des is ja erstens und zweitens sie ist ja krank, sie hat Probleme mit der Wirbelsäule und so, deswegen kann sie auch nicht so.. gescheit arbeiten. Also wenn schon, dann während des sitzen und stehen. Und daher gibt’s, also, gibt es sowas nicht. Also meistens gibt’s schwierige Arbeit, also richtig! Und deswegen, und zum Beispiel bei der Sprache. Wenn sie was braucht, dann muss ich auch mit ihr gehen, zum dolmetschen. Des is des, also. Also alleine kann sie auch nicht so gut.. was damit anfangen. Und mein Vater genauso. Also ich muss immer dabei sein. Beziehungsweise mein Brüdern.

Wie wird es mit N. weitergehen? Wie R. besucht sie ab September die Sozialpflegeschule. Sie hat Glück, ihre beiden älteren Schwestern suchen immer noch vergebens nach einer Ausbildungsstelle und für weiterführende Schulen sind sie zu alt. Auch N. ist ehrgeizig und hofft einmal die Fachoberschule besuchen zu können. Nach all dem was ihr wiederfahren ist hoffe ich für sie, dass sie die Chance auf eine gute Bildung bekommt und ihre Familie die Möglichkeit hat hier in Deutschland zu bleiben.

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Als ich einmal einen Fakeaccount hatte (Ein Erlebnisaufsatz von Alessandra K.)

Es gab einmal eine Zeit, eher eine kurze Periode, in der ich bei XING angemeldet war. Geworben hatte mich im Januar diesen Jahres der Viktor. Den Account hatte ich dann ein halbes Jahr vor sich hindümpeln lassen, aber in einer Phase großer Langeweile oder was auch immer hab ich also Xing für mich entdeckt. Dort findet man einen Haufen Leute, die alle von sich behaupten ganz große Tiere zu sein. Ihre Profile sind vollgestopft mit Anglizismen was sie tun und können und es gibt Gruppen, in denen gepflegt diskutiert wird, über Bildungs- oder Migrationspolitik, alternativ auch über’s Golfen… ^^

Nun ist Xing aber auch irgendwie scheisse. Wenn man dann nämlich ansatzweise anfängt Kontakte zu knüpfen ist das alles furchtbar umständlich, wenn man keinen tollen Pro-Account für 5,95€ (oder so) im Monat bestellt: Man kann nur eingeschränkt nach Leuten suchen, kann keine Nachrichten versenden uvm. Was also tun? Aless hat gesehen, dass die Xing-Futzis damit werben, dass es für 10 geworbene Mitglieder einen Monat Pro-Account geschenkt bekommt. Aless hat sich gedacht, registrier ich fünf e-Mailadressen auf 3zehn.org (von 1-5, also 1@3zehn.org usw.) und weitere fünf bei Bugmenot um anschließend 10 Fakeaccounts bei Xing anzumelden. Das ging etwa drei Tage gut, dann wurde mein Account gesperrt. Einfach so, ohne Warnung, ohne Begründung, ohne nichts! Ich konnte mich nur nicht mehr einloggen, es hies ich muss freigeschaltet werden. Ich war sehr stinkig, hatte aber wohl eine leise Vorahnung. Trotzdem dachte ich mir, fragst’s mal ganz blöd nach:

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Frage: seit Tagen kann ich mich nicht mehr in meinen Account “Aless!” einloggen, da er durch Ihre Redaktion freigeschaltet werden muss. Ich bin allerdings schon eine zeitlang bei Xing registriert und kann nun auch schon fast eine Woche nicht auf meine Accont zugreifen, weshalb es mich doch etwas verwundert, dass Sie mich freischalten müssen.

MfG
Alessandra Kenner

Die Antwort kam auch promt und nicht überraschend:

Sehr geehrte Frau Kenner,

vielen Dank für Ihre Nachricht.
Eine Prüfung unserer Logs ergab, dass Sie einen* Fake-Accountauf XING genutzt haben. Dies ist ein Verstoß gegen unsere AGB und Nutzerbedingungen, der zur automatischen Sperrung Ihres Accounts führt. Ggf. können Sie den Vorfall kurz aufklären.

Mit freundlichem Gruß aus Hamburg
C.N. (Name von mir editiert)

* Anm. von Aless: EINEN?? MUHAHAHAHAHAHAHA!!!

Noch zwei Anmerkungen dazu:
1. Während meiner Sperrung habe ich trotzdem massig Newsletter von Xing bekommen und wurde sogar als Moderator für die Gruppe “Alumni der Philosophischen Fakultät Erlangen-Nürnberg” freigeschaltet ;)
2. Ich fand keine Möglichkeit der selbständigen Löschung meines Accounts, damit ich nicht mehr von ihren scheiss Mails zugebombt werde!

Und klar, dass ich dann auch den “Vorfall” aufgeklärt habe:

Ja, es stimmt, dass ich einen Fake-Account genutzt habe. Leider habe ich allerdings nicht die Möglichkeit die Mitgliedschaft bei Xing zu beenden, bekomme aber stets weiter Mails von Ihnen. Wenn Sie sich also dazu entschließen sollten meinen Account weiter zu sperren, bitte ich um eine Löschung!

Mit freundlichen Grüßen
Alessandra Kenner

Ich dachte: Naja, mir Ehrlichkeit kommt man bekanntermaßen am weitesten, aber die von Xing haben halt doch einen Stock im Arsch!

Sehr geehrte Frau Kenner,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme.
Wir möchten Sie bitten Ihre Fake-Profile zu löschen. Aus Sicherheitsgründen
und um Ihnen die Kontrolle über die Löschung all Ihrer Daten zu geben, bitten
wir Sie, folgenden Link anzuklicken:

http://www.xing.com/app/user?op=cancel

Hier können Sie einfach und bequem Ihren Account selbst löschen. Beachten Sie,
dass Sie dazu eingeloggt sein müssen.

Danach werden wir gerne Ihr richtiges Profil wieder freischalten.

Ist das nicht schön? Kann ich also doch einfach und bequem meinen “Fake”-Account (der in diesem Fall ja mein echter war!) selbst löschen! Das klingt wie: Erschießen Sie sich bitte selbst! Naja. Ich seh’s ja ein, dass ich sehr böse war. Und langsam ging mir der Laden sowieso auf den Keks. Und das konnte der freundliche Xing-Mitarbeiter ja alles nicht wissen, weshalb ich denke wir sollten auf diesem Weg das KrieXbeil begraben… ♥

Und die Moral von der Geschicht - gibt es nicht! ;)

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