Archive for August, 2007

@work

Ich muss gestehen, es ist gar nicht so leicht jeden Tag um 7.30 Uhr aus dem Bett zu kommen. Als Student befindet man sich ja, zumindest was den Beginn der Seminare betrifft, in einer Art Schonraum. Aber mal davon abgesehen läuft mein Kurs tiptop, ich habe keinerlei Grund zu klagen: Ich habe wirklich einen Haufen sehr netter Leute erwischt, die Lust haben was in meinem Kurs zu lernen und die auch motiviert sind. Der Wissensstand ist zwar nicht herausragend, aber ich habe schon in weitaus tiefere Abgründe geblickt. Trotz allem finde ich gewisse Defizite immer noch außergewöhnlich; vor allem in Deutsch. Da wird Welt mit d am Ende geschrieben. Und Forum so: Vohrum. Ganz zu schweigen von erödert (erörtert). Hmmm… da fällt einem nicht viel dazu ein.

Ansonsten hat sich mein eigentlich auf 22 Mann geschätzter Kurs auf 12 (+ 2, die nur in der 2. Woche teilnehmen) dezimiert, was aber insofern gut ist, dass ich nachmittags nicht reinschieben muss und so Zeit hab mich noch mal vorzubereiten, Jürgens Küche trocken zu kriegen, weil er kleines Malheur mit dem Wasseranschluss hatte oder eben zwei Zeilen zu bloggen :D

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Arbeit, nix als Arbeit!

:music: Arctic Monkeys - Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

Ja, ich weiß, es war ganz schön ruhig um mich in letzter Zeit, hier auf meiner Seite. Der Grund waren zunächst einmal eine ganze Menge Feiereien und jetzt eine ganze Menge Arbeit, und das nicht mal für die MA. Morgen fangen meine Sommerkurse an und ich muss gestehen, dass der Aufwand verdammt groß ist. Ich bin seit einer Woche praktisch nur am Arbeitsblätter erstellen (die reißerische Titel wie Wie schreibe ich Briefe oder Übungen zu den s-Lauten haben) und Stunden durchplanen (Mathestunde 1), was relativ schwer ist, wenn man nicht einschätzen kann wie viel die Kids noch drauf haben in puncto Bruchrechnen, Groß- und Kleinschreibung oder Prozentrechnen. Macht man zu leichte Aufgaben langweilen sie sich, sind sie zu schwer ist auch niemandem geholfen. Naja, ich hoffe ich habe einen Mittelweg gefunden. Ein bisschen aufgeregt bin ich natürlich auch, was das für Schülerlein werden, die mehr oder minder freiwillig zwei Wochen ihrer Sommerferien opfern. Außerdem wissen sie ja auch noch gar nicht von ihrem Glück, dass sie eine Woche normal vormittags, aber auch eine nachmittags rein müssen, weil ich doppelt so viele Anmeldungen erhalten habe wie geplant (nämlich immerhin 22!) und deshalb zwei Gruppen parallel laufen lasse. Für mich werden das dann gut und gerne auch schnell 10-Stunden-Tage inkl. Nach- und Vorbereitung, aber zumindest stimmt ja die Kohle ;)

Ansonsten freue ich mich, dass meine Questionbox wieder funktioniert! War nur ein kleiner blöder chmod-Fehler, aber ich bin ja mittlerweilen so faul geworden, was das Coden und so angeht, dass ich selbst mit den kleinsten Fehlermeldungen überfordert bin :weird:

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N’s Geschichte

Nachdem euch ja anscheinend R’s Geschichte so gut gefallen hat gibt’s heute einen kurzen Ausschnitt aus N’s wirklich ausführlichem Interview. Auch ihre Geschichte hat mich wahnsinnig berührt, ich fühle richtig mit ihr.

N. ist 17, auch sie ist aus dem Irak. N. gehört einer Minderheitenreligion, den Mandäern an, die im Irak verfolgt, gedemütigt, diskriminiert werden an. N. hat mir nach dem Interview von Morden innerhalb der Familie erzählt, von Hänseleien und Beschimpfungen in der Schule oder von Nachbarn. Auf die Frage nach ihren Zukunftswünschen war sie bisher auch die einzige, die ihren Wunsch nicht auf sich selbst bezogen hat:

N: Ja, dass es im Irak halt nicht mehr Krieg gibt. Dass es wirklich e-, zu Ende geht, kein… Und ja, hier auch… Ja, das Wunsch, das ist das einzigste Wunsch eigentlich. Ja, wirklich. Dass die, dass die wirklich die Leute alle zufrieden leben und nicht, also nicht nur im Irak, im allgemeinen. Das, das wünsch ich mir echt. Das ist mein größter Wunsch. (den Tränen nah?!)

A: Würdest du gern zurück gehen?

N: Ich.. ich bin ehrlich, eigentlich nicht, aber.. Ich will ja hier leben. Also, hier in Deutschland oder.. ja, ich, ich will da bleiben, also nicht mehr zurück gehen. (sehr leise) (5 Sek. Pause)

A: Aber es tut trotzdem weh, wenn man dran zurück denkt…

N: Ja, das tut’s! Ja, genau, das tut’s weh (laut), weil ich find’s schade, dass man nicht in seine Heimat jetzt gehen darf und des ist einfach.. weil man so viele Schwierigkeiten hat dort und.. Krieg und alles und.. des is, es gibt so viele Probleme dort. Die haben nicht einmal Strom, Wasser und das tut, das tut mir echt so leid und man kann ja auch nicht dafür! Man kann denen auch nicht helfen! Also die U-, die Größten, die Größten können ja auch nichts machen, aber das ist, das ist echt schade und wie die Kinder jetzt umbringen und.. des is echt… unfair. Weil die können ja auch nichts machen und des läuft, ich weiß nicht wie lang des läuft.. Des hatte ja, glaub ich, keine Ende! Des hat zwar angefangen, aber keine Ende… (leiser werdend) (9 Sek. Pause) Des is echt schade dort (leise) (4 Sek. Pause)

In Deutschland hat N. mit ihrer Familie seit sieben Jahren Asyl gefunden, im Moment werden sie geduldet, das heißt jedes Jahr muss die Familie bangen abgeschoben zu werden, was sie natürlich unheimlich belastet. Theoretisch jedoch bedeutet der Duldungsstatus jedoch, dass die Familie theoretisch auch innerhalb eines Monats abgeschoben werden kann. Wenn man geduldet wird, bekommt man i.d.R. nur auf Antrag die Möglichkeit zu arbeiten. Für N.’s Vater ist dies überhaupt erst seit kurzem möglich. Es ist klar, dass die Folgen finanzielle Engpässe sind, wovon beispielsweise Integrations- oder Deutschkurse nicht mehr aus eigener Tasche bezahlt werden können (diese stehen geduldeten Personen nämlich nicht kostenlos zur Verfügung). Und hier schließt sich der Teufelskreis: N.’s Eltern können praktisch kein Deutsch, weshalb N. bei sämtlichen Amtsgänge, Arztbesuche, etc. anwesend sein muss, um zu übersetzen. Anderseits ist es neben der Tatsache, dass der Arbeitnehmer binnen eines Monats abgeschoben werden kann doppelt schwer einen Job zu finden, bei dem keinerlei Deutschkenntnisse von Nöten sind.

A: Wie ist das dann bei deinen Eltern, wenn du sagst sie können nicht so gut Deutsch, wie kommen sie hier klar, auch mit der Arbeit und so.

N: Ja, also meine Mama kann ja nicht so gut… *stottern* Also sie kann schon nicht so gut Deutsch, des is ja erstens und zweitens sie ist ja krank, sie hat Probleme mit der Wirbelsäule und so, deswegen kann sie auch nicht so.. gescheit arbeiten. Also wenn schon, dann während des sitzen und stehen. Und daher gibt’s, also, gibt es sowas nicht. Also meistens gibt’s schwierige Arbeit, also richtig! Und deswegen, und zum Beispiel bei der Sprache. Wenn sie was braucht, dann muss ich auch mit ihr gehen, zum dolmetschen. Des is des, also. Also alleine kann sie auch nicht so gut.. was damit anfangen. Und mein Vater genauso. Also ich muss immer dabei sein. Beziehungsweise mein Brüdern.

Wie wird es mit N. weitergehen? Wie R. besucht sie ab September die Sozialpflegeschule. Sie hat Glück, ihre beiden älteren Schwestern suchen immer noch vergebens nach einer Ausbildungsstelle und für weiterführende Schulen sind sie zu alt. Auch N. ist ehrgeizig und hofft einmal die Fachoberschule besuchen zu können. Nach all dem was ihr wiederfahren ist hoffe ich für sie, dass sie die Chance auf eine gute Bildung bekommt und ihre Familie die Möglichkeit hat hier in Deutschland zu bleiben.

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Als ich einmal einen Fakeaccount hatte (Ein Erlebnisaufsatz von Alessandra K.)

Es gab einmal eine Zeit, eher eine kurze Periode, in der ich bei XING angemeldet war. Geworben hatte mich im Januar diesen Jahres der Viktor. Den Account hatte ich dann ein halbes Jahr vor sich hindümpeln lassen, aber in einer Phase großer Langeweile oder was auch immer hab ich also Xing für mich entdeckt. Dort findet man einen Haufen Leute, die alle von sich behaupten ganz große Tiere zu sein. Ihre Profile sind vollgestopft mit Anglizismen was sie tun und können und es gibt Gruppen, in denen gepflegt diskutiert wird, über Bildungs- oder Migrationspolitik, alternativ auch über’s Golfen… ^^

Nun ist Xing aber auch irgendwie scheisse. Wenn man dann nämlich ansatzweise anfängt Kontakte zu knüpfen ist das alles furchtbar umständlich, wenn man keinen tollen Pro-Account für 5,95€ (oder so) im Monat bestellt: Man kann nur eingeschränkt nach Leuten suchen, kann keine Nachrichten versenden uvm. Was also tun? Aless hat gesehen, dass die Xing-Futzis damit werben, dass es für 10 geworbene Mitglieder einen Monat Pro-Account geschenkt bekommt. Aless hat sich gedacht, registrier ich fünf e-Mailadressen auf 3zehn.org (von 1-5, also 1@3zehn.org usw.) und weitere fünf bei Bugmenot um anschließend 10 Fakeaccounts bei Xing anzumelden. Das ging etwa drei Tage gut, dann wurde mein Account gesperrt. Einfach so, ohne Warnung, ohne Begründung, ohne nichts! Ich konnte mich nur nicht mehr einloggen, es hies ich muss freigeschaltet werden. Ich war sehr stinkig, hatte aber wohl eine leise Vorahnung. Trotzdem dachte ich mir, fragst’s mal ganz blöd nach:

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Frage: seit Tagen kann ich mich nicht mehr in meinen Account “Aless!” einloggen, da er durch Ihre Redaktion freigeschaltet werden muss. Ich bin allerdings schon eine zeitlang bei Xing registriert und kann nun auch schon fast eine Woche nicht auf meine Accont zugreifen, weshalb es mich doch etwas verwundert, dass Sie mich freischalten müssen.

MfG
Alessandra Kenner

Die Antwort kam auch promt und nicht überraschend:

Sehr geehrte Frau Kenner,

vielen Dank für Ihre Nachricht.
Eine Prüfung unserer Logs ergab, dass Sie einen* Fake-Accountauf XING genutzt haben. Dies ist ein Verstoß gegen unsere AGB und Nutzerbedingungen, der zur automatischen Sperrung Ihres Accounts führt. Ggf. können Sie den Vorfall kurz aufklären.

Mit freundlichem Gruß aus Hamburg
C.N. (Name von mir editiert)

* Anm. von Aless: EINEN?? MUHAHAHAHAHAHAHA!!!

Noch zwei Anmerkungen dazu:
1. Während meiner Sperrung habe ich trotzdem massig Newsletter von Xing bekommen und wurde sogar als Moderator für die Gruppe “Alumni der Philosophischen Fakultät Erlangen-Nürnberg” freigeschaltet ;)
2. Ich fand keine Möglichkeit der selbständigen Löschung meines Accounts, damit ich nicht mehr von ihren scheiss Mails zugebombt werde!

Und klar, dass ich dann auch den “Vorfall” aufgeklärt habe:

Ja, es stimmt, dass ich einen Fake-Account genutzt habe. Leider habe ich allerdings nicht die Möglichkeit die Mitgliedschaft bei Xing zu beenden, bekomme aber stets weiter Mails von Ihnen. Wenn Sie sich also dazu entschließen sollten meinen Account weiter zu sperren, bitte ich um eine Löschung!

Mit freundlichen Grüßen
Alessandra Kenner

Ich dachte: Naja, mir Ehrlichkeit kommt man bekanntermaßen am weitesten, aber die von Xing haben halt doch einen Stock im Arsch!

Sehr geehrte Frau Kenner,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme.
Wir möchten Sie bitten Ihre Fake-Profile zu löschen. Aus Sicherheitsgründen
und um Ihnen die Kontrolle über die Löschung all Ihrer Daten zu geben, bitten
wir Sie, folgenden Link anzuklicken:

http://www.xing.com/app/user?op=cancel

Hier können Sie einfach und bequem Ihren Account selbst löschen. Beachten Sie,
dass Sie dazu eingeloggt sein müssen.

Danach werden wir gerne Ihr richtiges Profil wieder freischalten.

Ist das nicht schön? Kann ich also doch einfach und bequem meinen “Fake”-Account (der in diesem Fall ja mein echter war!) selbst löschen! Das klingt wie: Erschießen Sie sich bitte selbst! Naja. Ich seh’s ja ein, dass ich sehr böse war. Und langsam ging mir der Laden sowieso auf den Keks. Und das konnte der freundliche Xing-Mitarbeiter ja alles nicht wissen, weshalb ich denke wir sollten auf diesem Weg das KrieXbeil begraben… ♥

Und die Moral von der Geschicht - gibt es nicht! ;)

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R’s Geschichte

Auszug aus einem Interview, mit R., 16, die ihre Kindheit in ganz Arabien verbracht hat und ursprünglich aus dem Irak kommt.

Also des denk ich, ehm, Verständnis kriegt man hier nicht so arg, also des kenn ich jetzt nicht, weil ich war ja wie gesagt in verschiedenen Ländern und da waren die Lehrer halt immer für mich da. Also, (…) wie gesagt, nach der Schule bekam ich dann noch Extrastunden (…). Aber hier war des halt nicht so! Hier wurde man gleich streng genommen, also hier, als man hier, als ich hier war wurde ich auch so behandelt als wäre ich hier geboren, als hätte ich des jetzt… Aber nur ich konnte nicht sprechen. Also des war des Problem, also… Ich hab halt nicht, ich, ich war halt nicht *stottern*, ich hatte halt nicht das Gefühl, dass mir hier jemand helfen möchte. Also die Lehrer waren nett, aber die haben… die haben des irgendwie nicht verstanden gehabt wie des ist, wenn man, äh, von wo ganz anders kommt, also es wäre jetzt zum Beispiel nicht ein Unterschied wenn man von Europa irgendwo, Russland oder so… ne, wenn man hier her kommt, denk ich jetzt, es ist unterschiedlich, aber ich denke jetzt nicht sooo, wie wenn man von Arabien kommt. Also… da die Schrift, wir schreiben von rechts nach links und nicht von links nach rechts und da gab’s halt überhaupt keine Zusammenhang und ehm, da fand ich’s eigentlich nicht sehr schön, weil man hat es hier schw-, schwer genug gehabt und deswegen wurde halt man… noch unter Druck gesetzt.

Das Interview hat mich unglaublich berührt und sehr zum Nachdenken gebracht. Obwohl nun schon eine halbe Woche vergangen ist bin ich immer noch richtig ergriffen von diesem Lebensweg.

R’s Eltern waren in Arabien angesehene, wohlhabende Leute. Der Vater war Pilot, die Mutter Lehrerin, und so kam es, dass R. ihre Kindheit in unzählichen Ländern von Jordanien bis Syrien bis Dubai verbracht hat. Die Ausbildungen R’s Eltern wurde in Deutschland, obwohl sie auf Englisch abgelegt wurden, nicht anerkannt. Mittlerweile arbeitet der asthmakranke Vater in einer Autowerkstatt (!), die Mutter hilft immer wieder in Fremdsprachenschulen aus - eine unglaubliche Verschwendug an Fachkräften. Wie in dem Abschnitt sichtbar, wurde R. hier von der Institution Schule in keinster Weise unterstützt, genauso behandelt, als wäre sie hier geboren. R. besucht ab September eine Sozialpflegeschule, die sie mit der Mittleren Reife abschließen wird. Sie wünscht sich danach auf die FOS zu gehen und ihr Fachabi zu machen.

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