N’s Geschichte

Nachdem euch ja anscheinend R’s Geschichte so gut gefallen hat gibt’s heute einen kurzen Ausschnitt aus N’s wirklich ausführlichem Interview. Auch ihre Geschichte hat mich wahnsinnig berührt, ich fühle richtig mit ihr.

N. ist 17, auch sie ist aus dem Irak. N. gehört einer Minderheitenreligion, den Mandäern an, die im Irak verfolgt, gedemütigt, diskriminiert werden an. N. hat mir nach dem Interview von Morden innerhalb der Familie erzählt, von Hänseleien und Beschimpfungen in der Schule oder von Nachbarn. Auf die Frage nach ihren Zukunftswünschen war sie bisher auch die einzige, die ihren Wunsch nicht auf sich selbst bezogen hat:

N: Ja, dass es im Irak halt nicht mehr Krieg gibt. Dass es wirklich e-, zu Ende geht, kein… Und ja, hier auch… Ja, das Wunsch, das ist das einzigste Wunsch eigentlich. Ja, wirklich. Dass die, dass die wirklich die Leute alle zufrieden leben und nicht, also nicht nur im Irak, im allgemeinen. Das, das wünsch ich mir echt. Das ist mein größter Wunsch. (den Tränen nah?!)

A: Würdest du gern zurück gehen?

N: Ich.. ich bin ehrlich, eigentlich nicht, aber.. Ich will ja hier leben. Also, hier in Deutschland oder.. ja, ich, ich will da bleiben, also nicht mehr zurück gehen. (sehr leise) (5 Sek. Pause)

A: Aber es tut trotzdem weh, wenn man dran zurück denkt…

N: Ja, das tut’s! Ja, genau, das tut’s weh (laut), weil ich find’s schade, dass man nicht in seine Heimat jetzt gehen darf und des ist einfach.. weil man so viele Schwierigkeiten hat dort und.. Krieg und alles und.. des is, es gibt so viele Probleme dort. Die haben nicht einmal Strom, Wasser und das tut, das tut mir echt so leid und man kann ja auch nicht dafür! Man kann denen auch nicht helfen! Also die U-, die Größten, die Größten können ja auch nichts machen, aber das ist, das ist echt schade und wie die Kinder jetzt umbringen und.. des is echt… unfair. Weil die können ja auch nichts machen und des läuft, ich weiß nicht wie lang des läuft.. Des hatte ja, glaub ich, keine Ende! Des hat zwar angefangen, aber keine Ende… (leiser werdend) (9 Sek. Pause) Des is echt schade dort (leise) (4 Sek. Pause)

In Deutschland hat N. mit ihrer Familie seit sieben Jahren Asyl gefunden, im Moment werden sie geduldet, das heißt jedes Jahr muss die Familie bangen abgeschoben zu werden, was sie natürlich unheimlich belastet. Theoretisch jedoch bedeutet der Duldungsstatus jedoch, dass die Familie theoretisch auch innerhalb eines Monats abgeschoben werden kann. Wenn man geduldet wird, bekommt man i.d.R. nur auf Antrag die Möglichkeit zu arbeiten. Für N.’s Vater ist dies überhaupt erst seit kurzem möglich. Es ist klar, dass die Folgen finanzielle Engpässe sind, wovon beispielsweise Integrations- oder Deutschkurse nicht mehr aus eigener Tasche bezahlt werden können (diese stehen geduldeten Personen nämlich nicht kostenlos zur Verfügung). Und hier schließt sich der Teufelskreis: N.’s Eltern können praktisch kein Deutsch, weshalb N. bei sämtlichen Amtsgänge, Arztbesuche, etc. anwesend sein muss, um zu übersetzen. Anderseits ist es neben der Tatsache, dass der Arbeitnehmer binnen eines Monats abgeschoben werden kann doppelt schwer einen Job zu finden, bei dem keinerlei Deutschkenntnisse von Nöten sind.

A: Wie ist das dann bei deinen Eltern, wenn du sagst sie können nicht so gut Deutsch, wie kommen sie hier klar, auch mit der Arbeit und so.

N: Ja, also meine Mama kann ja nicht so gut… *stottern* Also sie kann schon nicht so gut Deutsch, des is ja erstens und zweitens sie ist ja krank, sie hat Probleme mit der Wirbelsäule und so, deswegen kann sie auch nicht so.. gescheit arbeiten. Also wenn schon, dann während des sitzen und stehen. Und daher gibt’s, also, gibt es sowas nicht. Also meistens gibt’s schwierige Arbeit, also richtig! Und deswegen, und zum Beispiel bei der Sprache. Wenn sie was braucht, dann muss ich auch mit ihr gehen, zum dolmetschen. Des is des, also. Also alleine kann sie auch nicht so gut.. was damit anfangen. Und mein Vater genauso. Also ich muss immer dabei sein. Beziehungsweise mein Brüdern.

Wie wird es mit N. weitergehen? Wie R. besucht sie ab September die Sozialpflegeschule. Sie hat Glück, ihre beiden älteren Schwestern suchen immer noch vergebens nach einer Ausbildungsstelle und für weiterführende Schulen sind sie zu alt. Auch N. ist ehrgeizig und hofft einmal die Fachoberschule besuchen zu können. Nach all dem was ihr wiederfahren ist hoffe ich für sie, dass sie die Chance auf eine gute Bildung bekommt und ihre Familie die Möglichkeit hat hier in Deutschland zu bleiben.

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